Ich lebe noch…

Tobias
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… und sogar gerne. Nach viel zu kurzen zwei Wochen in der Heimat ging Mitte Januar das Semester wieder los.

Dank auf den spätest möglichen Termin gelegten Flug und verkorkstem Schlafrythmus bin ich mehr oder weniger verplant Mitte Januar in der ersten Uni-Woche gelandet und habe prompt mit meinem Training für meinen ersten Marathon am 25. April begonnen.

Das hieß vor allem, regelmäßig zu den geplanten Läufen auch aufzutauchen, und strebsam wie ich bin, hab ich direkt mal trotz fluginduzierter Schlappheit die erste Woche ein paar Läufe reingelegt. Mit dem Ergebnis, dass ich krank wurde und die erste Woche Uni und Sozialleben im Prinzip schmeißen konnte.

In einem Haus wie diesem kann das problematisch sein, da pro Semester in etwa 25% Fluktuation unter den Bewohnern ist, und die erste Woche da natürlich zählt.

Aber “glücklicherweise” hatte ich in meinem Zimmer stets Gesellschaft, in Form kleiner Lebewesen die mir in der ersten Nacht einfach mal 20 Stiche verpasst haben. Die gängige Theorie sind Flöhe, die alternative Theorie Bettwanzen – in jedem Fall hab ich mein Zimmer zwei Mal mit Insektenspray durchnebelt und der Kammerjäger war danach auch mal da.

Einen der Übeltäter zu Gesicht bekommen habe ich nie, daher ist das Ganze relativ mysteriös. Aber solang es mysteriös ist UND ich mein Blut für mich behalten darf, soll’s mir recht sein. Und mittlerweile kenne ich auch wieder alle Leute, die im Haus wohnen.

Ansonsten bin ich übrigens auch zufrieden mit meinem Zimmer. Die beiden Individuen, die die Rückseite meiner Wand benutzen, hören zwar öfters mal bis 2 Uhr morgens “Musik”, aber da ich keine frühen Vorlesungen habe und sowieso irgendwie eine Nachteule bin, ist mein Schlafrythmus jetzt einfach von 2 bis 10 Uhr. Läuft!

Sonst stand am Semesteranfang für mich als Fotomanager an, Fotos von allen Hausbewohnern zu katalogisieren und eine Fotowand zusammenzubasteln. Das war relativ viel Arbeit, aber da ich in der ersten Woche ja eh geistig umnachtet war und ich die Namen lernen wollte, traf’s sich ganz gut. Seitdem  hält sich der Aufwand in Grenzen, ich mache auf den Parties immer Bilder und stelle die dann aus. Deutlich angenehmer, als die Küche zu putzen (wobei das auch Spaß gemacht hat).

Nach dem verkorsten Start ins Semester hat sich mittlerweile alles gut eingespielt. Mein Körper scheint damit einverstanden zu sein, anstatt 2 Mal die Woche 5 Mal die Woche zu laufen und spult seine 50+ Kilometer pro Woche ohne Verletzungen runter, zumindest bisher. Die Zeichen stehen gut, dass ich mir für den Marathon sogar eine nicht geschenkte Zeit vornehmen kann, aber ich lege mich mal lieber noch nicht fest, denn bekanntermaßen kommt es erstens anders, zweitens als man denkt.

Mein Grundtraining ist Montag ein lockerer Lauf, Mittwochs Tempo, Donnerstags eigentlich ruhig (wird aber meistens eher ein Workout), und Freitags Bahnentraining mit anschließendem Abendessen. Sonntag ist “Long Run” Tag, d.h. morgens um 9:30 geht es für 8-10 Meilen (knapp 13-16km) durch die Gegend. An dieser Stelle nochmal ein imaginäres High Five an die Tatsache, dass der Uni-Laufclub, mit dem ich laufe, einfach mal an 6 von 7 Wochentagen Läufe anbietet. Sollte mal jemand in Bonn starten… :-)

Da ich für den Uni-Laufclub den Donnerstagslauf leite und somit auch mehr in den Club involviert bin, ist es von der Motivation her eher ein Problem, einen Tag NICHT zu laufen. Zumal ich neben dem Laufen sehr viel Zeit im Büro verbringe (meistens Abends bis Mitternacht) und der Ausgleich wunderbar ist. Die Umrechnungsquote ist vermutlich so eine Stunde im Büro pro Kilometer, zumindest bis Griechenland die nächste verpfuschte Statistik berichtigt.

Gerade hab ich mich noch für einen Halbmarathon im März registriert, bei dem genau wie beim Marathon die Landschaft alle körperlichen Ermüdungserscheinungen überstrahlen sollte. Bleibt jedenfalls zu hoffen :-)

In other news: Ich hab mir ein Loftbett gebaut und schlafe jetzt ca. 40cm unter der Zimmerdecke. Was für viele klaustrophobische Gedanken auslöst (zumindest scheint mir das die gängige Reaktion zu sein) ist für mich kein Problem. Ich habe sogar auf die Leiter verzichtet und klettere über die Kombination Heizung – Kommode – Schrank in die über zwei Meter hohe Schlafkoje.

Der große Sinn und Zweck ist, dass mein Zimmer jetzt im Prinzip 30% mehr Nutzfläche hat, weil das Bett fehlt. Und das ist schnieke.

Weiterhin habe ich mir im Baumarkt ein 2.43 x 1.22 Meter Plastikdingens gekauft, das sich prima als Whiteboard eignet. Ganz  recht, in meinem Zimmer hängt ein knapp 3 Quadratmeter großes Whiteboard.

Ein weiteres Projekt ist die Kolibri-Fütterstation (im Prinzip ein roter Zuckerwasserspender), das ich vor meinem Fenster aufgehängt habe. Bisher hat sich glaube ich noch kein Kolibri dafür interessiert, aber ich bin guter Hoffnung. Nicht zuletzt sehe ich hier in der Gegend andauernd welche, jetzt müssen die nur noch mich finden.

Der Grund, warum ich nichttrivialen Aufwand in meine Lebenssituation investiere, hat natürlich damit zu tun, dass ich hoffe, im Wintersemester auch noch in Berkeley sein zu dürfen/können. Ich weiß noch nicht, ob ich weiter gefördert werde, bin aber zuversichtlich, dass es irgendwie schon klappt.

Ich halte meinen Plan für gut, und mehr als einen guten Plan haben und sich die Daumen drücken (lassen), kann man ja nicht. Also warte ich entspannt ab.

Großes summa summarum also: Alles in Butter.

Und mit diesen Worten verabschiede ich mich in die Küche und dann ins Bett, denn morgen früh ist ja Laufen angesagt!

Tobias


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