November: Midterm Season

Kosch
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Einen Montag lang habe ich mich nicht gemeldet: Was habe ich also den November über gemacht?

Zunächst einmal: Midterms. Die meisten Profs lassen ihre Studenten ein bis zwei Klausuren während des Semesters schreiben, damit die Endnote nicht ausschließlich von Hausaufgaben und Finals abhängt. Ist an für sich eine lobenswerte Sache. Anstatt mich zur Vorlesung zu begeben, wandere ich dann morgens um neun zum Examination Centre.

Der große Unterschied zum deutschen Schulsystem ist die Benotung. Die erreichten Punkte werden zuause einfach auf eine Zahl zwischen 1 und 6 skaliert. Hier ist das etwas anders: die Tests werden (meistens) vom jeweiligen Tutor benotet, der die Punkte dann auf 100% hochrechnet. Für jedes Tutorium wird dann der Durchschnitt und Median berechnet. Diese Werte unterscheiden sich natürlich zwischen Tutorien, weil jeder Tutor anders bewertet und manche Sections durchschnittlich dümmer sind als andere. Am Ende des Jahres werden die Noten dann ausgeglichen (wenn ich das richtig verstanden habe, an den Final-Noten orientiert) und normalisiert — auf welchen Bereich vermag ich nicht zu sagen (es gibt aber Gerüchte, dass die Uni einen Mindest-Klassendurchschnitt von 68% fordert).

Dieses Verfahren ist also erfreulich, wenn man über einem schlechten Durchschnitt liegt (»riding the bell-curve«). Haben alle sehr gut abgeschnitten, aber man selbst nur gut, rutscht man auf der linken Seite die Glockenkurve runter. Welche Noten ich also in zwei Wochen zu erwarten habe, lässt sich noch nicht sagen (soweit ich weiß, bin ich aber gut innerhalb von 1σ um den Jahrgangsdurchschnitt).

Dieses Angleichen gibt den Noten einen Anschein von Vergleichbarkeit. In Wahrheit aber wird die Nettokompetenz der Studenten verschleiert und ausgetauscht gegen Konkurrenz: Wer unter dem Durchschnitt landet, wird extra bestraft. Das kann einem schon arg auf die Nerven gehen, vor allem weil EngSci die Nerd-Hochburg der Universität ist. Das war also der Grund für meine Abwesenheit: fanatisches Lernen, Hausaufgaben-Machen und Gruppenprojekte-Erledigen.

Mit dem Abschluss meiner letzten Programmieraufgabe (Huffman-Encoding) bin ich jetzt erstmal fertig. Nächste Woche fangen zwar die Finals an, aber ein, zwei Tage Muße reichen für das Blog.

Inzwischen ist es hier recht kühl geworden. Es friert noch nicht, aber außerhalb der Mittagssonne braucht man eine Jacke. Nur Nathan Phillips Square ist seit einer guten Woche zugefroren. Das ist der öffentliche Platz vor dem Rathaus, eine halbe Minute vom Wohnheim entfernt. Abends kann man also mit seinen Schlittschuhen dorthin und ein paar Runden drehen (oder sich welche am nächsten Stand leihen). Das war übrigens auch meine Geburtstagsaktivität. Und ab etwa zehn kommen Leute mit Sticks und Pucks und spielen die ganze Nacht Hockey.

Trotz all der Lernerei kann man in Toronto gelegentlich was erleben. Übernächsten Samstag werde ich mir schon zum zweiten Mal das Toronto’er Symphonieorchester anhören (Studententickets gibt es teilweise für ein Zehntel des Normalpreises). Kyle hat über Beziehungen seines Vaters eine ständige Quelle für VIP-Lounge-Tickets im Air-Canada-Centre (Kölnarena-Größe). Ich war schon beim Wrestling (irrer Wahnsinn) und Basketball (Toronto vs. Chicago). Und morgen abend ist mein eigenes Konzert (möglicherweise kann ich Aufnahmen auftreiben, so es denn welche geben wird).

Mir fällt ansonsten nichts Spektakuläres ein. Aber in gut zwei Wochen sind ja Winterferien! :-)


Ein Kommentar zu “November: Midterm Season”

  • Ama Says:

    Ja, lieber Sebastian, wir freuen uns mit Dir, dass bald Winterferien für Dich sind.Nach Deinem Bericht zufolge hast Du diese ja wohl auch sehr verdient.Hoffentlich wirst Du für all´Deine Paukerei mit einigermaßen ordentlichen Noten belohnt! Wir haben – ehrlich gesagt – die dort übliche Berechnung der Noten nicht so ganz verstanden, aber wir sind ja auch nichts anderes als Noten zwischen 1 und 6 gewöhnt. Wird schon klappen, da sind wir ganz zuversichtlich. Für Dein Konzert heute abend wünschen wir Dir auch viel Erfolg, kein Lampenfieber und keine “Erkältungs-Stimme”. Wir können zur Zeit nur krähen oder husten, jedenfalls nicht singen. Aber das wird auch wohl mal wieder besser werden. Viel Glück für die “finals” und alles Gute Ama und Opa.

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