großes Lebenszeichen
Viel ist passiert seit meinem letzten Posting und ich habe glücklicherweise bisher keine Zeit gefunden, einen neuen Eintrag zu schreiben – glücklicherweise deshalb, weil der Hauptgrund für die Verzögerung die Tatsache ist, dass Sibel mich für zwei Wochen besucht ![]()
Selbige sitzt jetzt neben mir und hilft mir, alles was wir gemacht haben aus dem Langzeitgedächtnis zu fischen. Es ist ziemlich viel, also nummeriere ich das sogar lieber mal. Ab dafür.
1. Demonstration
Donnerstag vor zwei Wochen (24.9.) sind hier ca. 5000 Studenten und Angestellte der Universität auf die Barrikaden gegangen. Der Grund dafür ist, dass der Staat Kalifornien “mal wieder” pleite ist und “wieder mal” das Uni-Budget ziemlich zusammengestrichen hat und gleichzeitig der Präsident der Uni, Marc Yusof, mehr Abstand vom Staat sucht, den er als “unzuverlässigen Partner” bezeichnet (wo sicher auch etwas dran ist).
Die Sorge der Studenten und Angestellten ist folglich, dass “unlukrative” Studiengänge sowie Arbeitsplätze wegfallen und der Anspruch der Uni, eine öffentliche Universität mit Zugangsmöglichkeit zur Bildung prinzipiell “für jeden” zu sein, dahinschwindet. Dass die Studiengebühren um 40% steigen, trägt natürlich nicht zur Deeskalation bei… soweit ist der Aufruf zum Protest sicher nachvollziehbar.
Natürlich hat aber die Medaille zwei Seiten: Der Staat IST ein absolut unzuverlässiger Partner und die UC ist immerhin eine der Top-Unis der Welt und noch relativ günstig. Und irgendwo muss das Geld eben herkommen; klar dass dann die Studiengebühren steigen und Dinge wegfallen. Und auch klar, dass man sich dann lieber etwas vom Staat löst. Und auch klar, dass dadurch die UC sich eben zu einem für noch weniger Studenten erschwinglichen Preis verkauft. Seitens der Studenten (oder zumindest der Protestorganisatoren) scheint das noch nicht angekommen zu sein (oder man ist in Demos eben nie konstruktiv).
Das offizielle Leitmotiv scheint zu sein: Studiengebührenerhöhung rückgängig machen, niemanden feuern, nichts ändern und das Geld dafür soll halt irgendwoher kommen, woher genau sagt aber keiner.
Die Kommunikation zwischen Präsident und den Anhängern der UC ist destruktiv bis nichtexistent. Dass Yudof jetzt externe Wirtschaftsprüfer für drei Millionen Dollar anheuert, gießt nur noch mehr Öl ins Feuer. Aber letztendlich ist allen klar, dass sich die UC ändert, und von Prophezeihungen wie “Es dauert ein Jahrhundert, Exzellenz aufzubauen – aber nur ein Jahr, sie zu zerstören” bis “Alles wird gut.” gibt’s alles. Die heutige UC ist jedenfalls angezählt.
Der Protest zählte ca. 5000 Teilnehmer, und ich war (nebst Kamera) mitten drin (trotz inhaltlicher Kritik oben bin ich ja schon dafür, nicht alles einfach so hinzunehmen…), ein paar Bilder gibt’s unten. In den Nachrichten war es unter Anderem hier, hier und hier.
Abends bin ich dann zum Flughafen in San Francisco gefahren, um Sibel abzuholen. Statt der erwarteten Halbleiche (ca. 20 Stunden Reise) war sie noch relativ frisch und nach der Zugfahrt zurück nach Berkeley sogar noch in der Lage, den ersten von vielen getoasteten Bageln mit Frischkäse zu essen!
Da ich am Freitag immer um 8 Uhr Physik habe, war ihr allerdings nicht zu viel Schlaf vergönnt und der Freitag abgesehen von etwas Essen und Kennenlernen der Umgebung relativ regenerativ…
Zumal wir am Samstag zu unmenschlichen Zeiten (fünf Uhr morgens) aufstehen mussten, denn wir waren angemeldet zum….
2. Whale Watching
Fünf Uhr: Aufstehen, Essen, gefühlte 12 Lagen Kleidung und 200 Kilo Verpflegung & Seeutensilien eingepackt und mit BART (Bay Area Rapid Transit) und MUNI (Municipal) ab zum Treffpunkt am Pier 39 in San Francisco (und NICHT Frisco). Unproblematisch dort um 7:30 angekommen und eingecheckt bekam unsere Gruppe (ca. 12 Leute) eine kleine Einführung wie denn alles ablaufen würde, worauf man achten sollte.
Besonders die Ansage, dass dieses Jahr bisher Rekordzahlen an Walsichtungen hervorgebracht hat, hat unseren Hunger, Wale anzuglubschen, natürlich gefördert. Unsere Stimmung nicht gefördert hat die Tatsache, dass die Reiseführerin mit der Zeit etwas besorgt wurde, da unser Boot noch nicht da war – und sich letztendlich herausstellte, dass durch irgendeinen Kommunikationsfehler das Boot heute garnicht da war. Super.
Dann standen wir also um 8 Uhr morgens am Pier, eingepackt wie für eine Arktisdurchquerung und mit Verpflegung für eine hungrige Baseballmannschaft. Und man muss dazu sagen, dass es in Kalifornien im Gegensatz zu Deutschland noch ziemlich warm ist… Kurz gesagt haben wir also mit ziemlich viel Gepäck und wenig Schlaf unseren ersten Tag in San Francisco verbracht und uns ein bisschen die “Standards” angeguckt: Die Golden Gate Bridge, Lombard Street, Market Street, Fisherman’s Wharf und so weiter, vieles davon zu Fuß.
Am Ende waren wir froh, zu Hause unter die Dusche zu können und setzten neue Hoffnungen in den kommenden Sonntag, wohin unser Trip verschoben wurde.
3. Baseball
Mit Freunden waren wir bei unserem ersten Baseballspiel, in der AT&T Arena in San Francisco. Da die Baseballsaison schon fast zu Ende ist und beide Teams keine Aussicht auf große Leistungen mehr hatten, war das Spiel extrem relaxt (wir wussten manchmal garnicht, ob die schon spielen oder sich nur ein bisschen aufwärmen, siehe Video)
Ein Erlebnis war es trotzdem, da das Stadion schön an der Bay gelegen ist und das ganze Drumrum mit Hot Dogs und Stadionfeeling ja der eigentliche Grund war, hinzugehen
4. Auto
Mein Auto lebt, ist angemeldet & versichert und wurde sogar schon gefahren! Zwar noch nicht wirklich weit, aber immerhin bin ich mit Sibel schonmal planlos durch Berkeley und ein bisschen ins Hinterland der East Bay gegurkt. Ich habe zwar immer noch Schwierigkeiten, es auf dem Parkplatz zu finden (sieht halt so normal aus und ich vergess schonmal die Farbe…), aber dank der angefügten Fotos könnt ihr mir ja das nächste Mal helfen wenn ich es verloren habe.
5. Funk Party / LoveEvolution
Am Samstag war in San Francisco die LoveEvolution (ehemals LoveFest). Das war der Anlass für eine ziemlich coole Funk Party in Cloyne am Freitag abend: Gute Musik, gratis Getränke und einfach ein netter Abend (und, wie halt eine gute Party so ist, vorbei bevor man realisiert dass sie los ging).
Am Samstag dann LoveFest – im Prinzip wie die LoveParade, und damit ist eigentlich auch schon alles gesagt: Eine Riesenmenge voll- bis unbekleideter Leute in einer Parkanlage in San Francisco, von denen die meisten auf LSD waren (unsere Gruppe, exklusive uns, mit inbegriffen).
War mal ganz witzig zu sehen, aber trotz akzeptabler Musik fühlten wir uns, da unhalluzinierend und unwillens daran etwas zu ändern, etwas deplaziert und sind dann lieber nach Berkeley zurückgefahren, um im einzigen türkischen Restaurant hier (zumindest habe ich sonst keins gesehen) essen zu gehen (war übrigens sehr lecker, wenn auch weniger scharf als wir’s gewohnt sind). Danach sind wir schön zeitig ins Bett, denn Sonntag war der Termin für…
6. Whale-Watching die Zweite
Um’s kurz zu machen: Um sechs Uhr aufgestanden, gefrühstückt, kurz vor Aufbruch einen Anruf von der Whale-Watching-Firma gekriegt, dass wegen unerwarteten starken Winden das Whale Watching nicht stattfinden kann, zurück ins Bett.
Sieht da noch jemand eine Regelmäßigkeit? Morgen ist der finale Versuch. Wir drücken uns die Daumen.
7. San Francisco / Hotel des Arts
Später am Mittwoch, nach meiner Quantenmechanik-Klausur (ganz wie in der Schule), sind wir (via Bahn) nach San Francisco (@Kosch: ein Mitbewohner hier im Haus kommt aus der Gegend und nennt es Frisco. Er gibt allerdings zu, öfter mal darauf angesprochen zu werden. Sich anpassen will er aber nicht. So gesehen gibt es hier Leute die Frisco sagen, wenn auch fast niemanden.) gefahren um dort im Hotel des Arts zu übernachten.
Das Hotel war an sich nichts so überragendes, und der Luftansaugschacht unweit unseres Fensters hat auch eine nicht so liebliche Geräuschkulisse bereitgestellt, aber für den Preis war’s ok und es liegt sehr zentral. Das eigentliche Credo des Hotels ist, die lokale Kunst widerzuspiegeln, so sind viele der Zimmer von lokalen Künstlern bemalt worden.
Unseres sah aber eher aus wie ein überdurchschnittliches Kinderzimmer. Besser war das Restaurant in North Beach, in dem wir dann zu Abend gegessen haben (nach etwas Fußmarsch und dem Abklappern einiger Shoppinggelegenheiten). Was allerdings angenehm am Hotelzimmer war war der Flachbildfernseher, der das sich-in-den-Schlaf-gammeln sehr angenehm gemacht hat (schon lange kein TV mehr geschaut). Alles in allem also ein ganz entspannter Trip.
8. Amerikanische Eigenheiten
- Man bedankt sich beim Busfahrer, wenn man aussteigt
- Wasser in Restaurants ist unbegrenzt und umsonst. Das ist vermutlich die beste Erfindung seit der Erfindung der Erfindung.
- Die Kassiererin in einem beliebigen Geschäft fängt schon mal ein längeres Smalltalkgespräch an und erfährt zum Beispiel, dass die Kassiererin die Situation auf diesem T-Shirt am morgen mit ihrem Freund durchgespielt hat (?!)
- Die Leute, die einem auf der Straße irgendwelche Flyer andrehen wollen, wünschen einem höflichst einen schönen Tag, egal wie sehr man sie ignoriert.
- Im College (also das, was für uns die Uni ist) hat man irgendwie garnicht so viel zu tun, zumindest verglichen mit fordernden Studiengängen hier. Und wenn man viel zu tun hat, dann ist es hauptsächlich blödes Rumrechnen oder sonstiger Kram, der im Gymnasium auch schon mal angerissen worden ist. (Etwas überspitzt, aber so fühlt es sich an). Sibel hat in ihrem Leistungskurs Physik jedenfalls schon viel von dem, was in meiner Vorlesung “Quantenmechanik” für Leute im 5. Semester bisher dran kam, gemacht. Erst jetzt wird sie langsam abgehängt.
- Der Unterricht in den College-Kursen ist wie Schule (mit Klausuren, Hausaufgaben und Noten), in den Graduate-Kursen ist es wie zu Hause in Bonn.
- Vielleicht keine klassisch amerikanische Eigenheit ist, dass sich die Uni hier ganz im Sinne von Propaganda extensiv selbst lobt. Über weite Teile des Campus findet man Portraits von Studenten mit einem (typischerweise die Uni lobenden) Zitat daneben, sinngemäß z.B. “Berkeley hat mich zu einem besseren Menschen gemacht und die Uni ist so geil”. Die Message ist wohl, dass die UC super, toll, für jeden zugänglich und übrigens auch toll ist. Das Übliche eben.
9. Siegerehrung
Wer’s bis hier hin geschafft hat ohne abzukürzen: Gratulation. Jetzt gibt es auch die Bilder, die wahrscheinlich interessanter sind. Im nächsten Beitrag wird es (mit Passwort) noch einige Videos geben, die ich nicht ungeschützt online stellen möchte. Das Passwort wird an alle versandt, die in der Mailingliste drin sind und auf Anfrage.
(Das Video-Posting kommt später!)
So long,
Tobias




























































10. Oktober 2009 um 2:37 pm Uhr
Na das klingt doch bis auf 1-2 Kleinigkeiten gut

Hoffe ihr hattet Spaß zusammen
Hat das mit dem Whale Watching noch geklappt?
Viele Grüße =)
Sven
11. Oktober 2009 um 2:59 am Uhr
Danke
Das mit dem Whale Watching hat noch geklappt, sind gerade wieder gekommen (und haben genug Wale gesehen, zwar keinen Blauwal aber dafür um so mehr Buckelwale) 
Tobias
11. Oktober 2009 um 5:37 am Uhr
schoen, schoen, schoen!
12. Oktober 2009 um 12:51 pm Uhr
Zusammenfassung der Bilder: Kopfhaare ab, Brusthaare ( sofern vorhanden ) noch dran
19. Oktober 2009 um 2:35 am Uhr
Warum die Haare? Warum nur?
20. Oktober 2009 um 6:40 am Uhr
wächst doch nach…