Von Gold und Delfinen, Abstellgleisen und Kängurusteaks

Behrend
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So, da ich wirklich länger nichts mehr geschrieben habe, hier ein paar Updates und natürlich folgen bald auch neue Fotos!

Frühling!

Hier in Australien ist es mittlerweile Frühling geworden und es wird immer wärmer. Das merkt man zumindest nachts. Habe ich zu Anfang noch voll angezogen und mit Schal im Schlafsack unter einer Decke mit laufender Heizung geschlafen, geht es jetzt schon ohne Heizung und mit kurzem Schlafanzug im Schlafsack! Insgesamt ist das Wetter hier aber wirklich das Letzte, über das man sich hier beschweren kann. Ich bin jetzt schon über zwei Monate hier und es gab vielleicht insgesamt zwei Tage, die wirklich verregnet waren. Meine einzige Jacke habe ich schon seit 6 Wochen nicht mehr angehabt und meine zwei dicken Pullis hätte ich auch getrost zu Hause lassen können! Naja, hinterher ist man immer… Was man dagegen nicht unterschätzen darf, ist die Sonne. Auch wenn es nicht immer T-Shirt-Wetter ist und meistens ein frischer Wind weht, brennt die Sonne oft unangenehm. Manchmal kann man das Ozonloch förmlich auf der Haut bruzzeln hören und man sieht auch viele – vor allem ältere – Leute mit starker Hautschäden oder sogar vernarbten Beinen oder Armen. Sonnenschutz kriegt man fast gar nicht unter Faktor 30, aus gutem Grund. Von den anderen Internationals haben sich auch schon einige ordentlich verbrannt. Ich habe bis jetzt gut aufgepasst und hatte zum Glück noch keinen Sonnenbrand.

Das Schlechte am Frühling sind die Kakerlaken, von denen ich schon zwei in meinem Zimmer liquidieren musste. Kommentar meines Vermieters zu den Kakerlaken in der Wohnung: Must be spring, dude, kill them! Leider hat er recht, Kakerlaken scheinen echt keine Seltenheit in Sydney zu sein.

Wildlife & Nightlife in Newcastle

Vor ca zwei Wochen hatte ich eine Woche Midterm-Break, in dem ich zusammen mit Gesine gemeinsame Freunde in Newcastle besucht habe. Anna und Rory, ein Pärchen, welches Gesine in Orange kennen gelernt hatte während diese dort ihrerseits ein zweiwöchiges Praktikum gemacht haben, sind Medizinstudenten aus Newcastle. Naja, dass die beiden jedoch inzwischen kein Paar mehr waren, erfuhren Gesine und ich ungefähr 10 Minuten vor unserer Ankunft dort. Da wir uns bei Anna einquartiert hatten, Rory uns aber auch sehen wollte, wurde es manchmal ein bisschen kompliziert. Trotzdem verbrachten wir ein wunderbares Wochenende (hauptsächlich mit Anna). Newcastle ist eine Stadt ca 150km nördlich von Sydney an der Küste. Obwohl es zum Teil als Industriestadt verschrien ist, hat sehr ein paar sehr schöne Strände. Das finden anscheinend auch einige Meeresbewohner, so dass wir in Newcastle vom Strand aus unsere ersten Wale UND Delphine sehen konnten! Die Wale waren natürlich etwas weiter entfernt, doch man konnte die mächtigen Flossen sehen, wie sie aufs Wasser krachten. Die Delfine waren jedoch ganz nah am Ufer, nur wenige Meter hinter der Brandung! Zur Feier des Tages genossen Gesine und ich an diesem Abend unser erstes Känguru-Steak vom Grill. Schmeckt echt ziemlich gut, muss ich sagen und da es hier wirklich Kängurus en masse gibt, braucht man auch kein schlechtes Gewissen zu haben. Nach der großen Barbecue-Party im Haus eines Freundes von Anna sind wir noch in die Stadt gezogen und haben das Nachtleben Newcastles kennen gelernt.

Abenteuer im Zug

Letztes Wochenende war ich dann mal wieder bei Gesine in Orange. Ich bin diesmal schon Donnerstag Abend mit dem Zug gefahren – was mir beinahe zum Verhängnis wurde. Der Zug fuhr um 18Uhr in Sydney ab, Endstation um 21.20 in Lithgow, von wo aus ich mit einem Überlandbus noch zwei Stunden weiter nach Orange fahren musste. Wohlgemerkt der letzte Bus an diesem Tag. Naja, es war Donnerstag Abend und sehr spät, so dass ich kurz nach Sydney der einzige Mensch im ganzen Abteil war und ich auch in den Nachbar-Abteilen keine Menschen mehr sehen konnte. Ich machte mir nichts draus, hörte ??? über MP3-Player und stellte mir den Wecker auf kurz nach 21Uhr. Das klappte auch super, ich packte meine Sachen und ging zum Ausgang des Waggons, der gerade relativ pünktlich um 21.20Uhr gehalten hatte – in Lithgow, wie ich annahm. Naja, jedoch war draußen alles stockduster und kein Bahnhof in Sicht. Wie schon erwähnt, war außer mir niemand mehr im Zug, so dass ich scheinbar der einzige Mensch war, der hier aussteigen wollte. Ich öffnete die Tür, wollte aussteigen, doch dort war NICHTS! Wie man mir nachher mitteilte, war der Zug schon um 21.00Uhr in Lithgow gewesen, also 20 Minuten zu früh (!!! – man vergleiche das mal mit der DB!). Da dies die Endstation war, fuhr der Zug anschließend auf ein Abstellgleis bei einem nahe gelegenem Güterbahnhof, wo ich mich also nun befand. Ich hatte jedoch ziemlich viel Glück im Unglück, da nach kurzer Zeit ein Bahnarbeiter auf mich aufmerksam wurde und mir aus dem Waggon half. Das Problem war nur, dass mein Bus um 21.35Uhr ab Lithgow Bahnhof abfahren sollte und ich sah mich schon in einer schäbigen Pension in Lithgow übernachten. Das wollte der nette Bahnarbeiter aber nicht zulassen! Er zückte sein Handy und rief zwei „Mates“ von sich an: einen Taxifahrer, der uns beide am Güterbahnhof abholte und (umsonst!) zurück zum Bahnhof nach Lithgow fuhr und einen zweiten Kumpel, der am Bahnhof in Lithgow arbeitete und für mich den Bus aufhalten sollte! Und als ich eine gute Viertelstunde später mit dem Taxi am Bahnhof ankam, war mein Bus tatsächlich noch da und der Busfahrer und ein paar weitere Arbeiter empfingen mich lachend. War zwar ein bisschen peinlich, jedoch war ich froh, dass ich an diesem Abend doch noch nach Orange gekommen bin. Dieses Vorkommnis ist übrigens ein perfektes Beispiel, um die Freundlichkeit der Leute hier in Australien zu beschreiben. Ich hatte ja schon viel davon gehört und ich kann es nur immer wieder bestätigen: (fast) alle Leute hier sind super nett, hilfsbereit und offen. Davon können wir Deutschen uns echt mal ne Scheibe abschneiden!

Goldrausch

In Orange selbst haben Gesine und ich dann u.A. einen Ausflug nach Ophir gemacht – einer Geisterstadt, in dessen Nähe vor ca. 150 Jahren das erste Gold in Australien gefunden wurde. Ein Ereignis, das damals einen Goldrausch auslöste. Selbst heute noch wird in der Gegend Gold abgebaut. Ophir selber war schließlich mehr Geist als Stadt, dh es waren wirklich überhaupt gar keine Häuser mehr zu erkennen. Trotzdem war die Umgebung sehr schön und verwildert und es gab einige ausgewiesene Wanderpfade entlang der alten Minen und Schächte. Das war schon sehr beeindruckend, sah es doch zT aus wie überdimensional große Kaninchenhöhlen im Berg. Man konnte sogar einige Stollen gefahrlos betreten, was wir aber leider nicht tun konnten, da wir keine Taschenlampe bei uns hatten und dort außer uns niemand anderes war. In dieser Gegend haben wir auch Bekanntschaft mit einigen großen Echsen gemacht, die sich auf den Wegen sonnten. Die größten Exemplare waren ca 30-40cm lang und sahen schon ein bisschen unheimlich aus. In der Nähe von Ophir entdeckten wir auch ein kleines Bauwerk aus Stein, welches ein Schild als eine Zeitkapsel auswies, die erst 2080 geöffnet werden darf. Die spinnen – die Australier!

Zurück in Sydney holte mich der Uni-Alltag schnell wieder ein. Zwei Drittel meiner Unizeit sind schon rum – kaum zu glauben. Die letzten Wochen werden noch sehr stressig. Nächste Woche muss ich zwei dicke Assignments abgeben und einen Test schreiben. Und danach geht es auch schon steil auf die Final Exams zu. Naja, wird schon werden. Trotzdem fand ich Zeit, einmal die Harbour-Bridge zu erklimmen und zu überqueren. Von der Brücke aus hat man einen fantastischen Blick auf die Skyline und die Oper, wie die Fotos belegen werden!

So, mehr aus Sydney inklusive meinen ersten Surfversuchen gibt’s dann beim nächsten Mal! Fotos zu den oben beschilderten Erlebnissen lade ich morgen hoch!


2 Kommentare zu “Von Gold und Delfinen, Abstellgleisen und Kängurusteaks”

  • Tobias Says:

    Hi Behrend,
    echt krass dass schon zwei Drittel deines Semesters rum sind (aber ich buch es mal unter positiv ab, immerhin kommst du dann schneller zum Reisen!).
    Die Geschichte mit dem Zug ist ja interessant. In Deutschland kann ich mir beim besten Willen wenig davon vorstellen. Schade eigentlich.
    Ich bin gespannt auf die Bilder :)

  • Felix Says:

    Ich hatte auch mal so ein Zugproblem in Koblenz. Da hab ich auch verpennt auszusteigen und bin am Koblenzer Bahnhof aufs Abstellgleis gerollt. Mein Anschlusszug sollte auch kurze Zeit später abfahren. Die Türen waren schon verriegelt. Ich also nach vorne zum Lokführer um zu gucken ob der noch da ist. War er auch. Er sagte mir mit typisch genervtem Blick, dass ich jetzt eigentlich warten müsste bis der Zug wieder aufs Gleis zurückfährt, weil man ja nicht über das ABSTELLGLEIS laufen dürfe… Er war dann schließlich doch so nett mich die 10m zum Gleis zu begleiten… Was das für ne Aktion war…

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