Alltag, die Erste

Tobias
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Ich frage mich, ob ich jetzt besser “guten Morgen” oder “guten Abend” schreiben soll. Das mit den neun Stunden Zeitverschiebung ist schon knifflig – ich sitze hier und gehe gleich zum allsonntäglichen Hausbrunch, und ihr in Deutschland habt wenn überhaupt noch das Abendessen vor euch. Aber sei’s drum!

Mittlerweile fühlt es sich schon ein bisschen nach Routine an, in die Uni zu Vorlesungen gehen oder im Büro zu sitzen und zu lernen (Das Büro, bekanntermaßen fensterlos, ist eigentlich garnicht so schlimm, vor allem die Tafel ist ziemlich praktisch beim Lernen, finde ich. Das ändert sich wahrscheinlich, wenn der zweite Platz in meinem Büro genutzt wird – es war mal jemand da und hat einen Stapel Bücher hinterlassen, aber gesehen hab ich die Person nie).

Das ist eine gute Sache, denn ohne einen gewissen Arbeitsrhythmus hätte ich wohl bald Motivationsprobleme – und die Wochenenden, die ich zwar schon auch zum Lernen benutze, bieten auch “etwas” Abwechslung.

Am Freitag war ich in Stebbins (das Co-Op, in dem ich die erste Woche gelebt hab) auf einer Room-to-Room-Party. Was das ist, wusste ich davor nicht, aber jetzt bin ich schlauer:

Die Zimmerbewohner suchen sich ein ein Motto (und in den meisten Fällen ein Getränk) für ihr Zimmer aus, gestalten es dementsprechend um und auf der Party erkundet man die verschiedenen Zimmer (& Getränke), bis man dann nach 2-3 Stunden im Erdgeschoss angekommen ist, wo dann die Tanzfläche ist. Ist ziemlich interessant, weil natürlich alle versuchen, ihre Zimmer irgendwie abgedreht zu gestalten. Eine kleine Auswahl:

  • Werwolf Bar Mizwa (ja, genau. Eine Bar Mizwa…. für Werwölfe. Ein Insider aus 30Rock.)
  • Science (mit Getränken in Reagenzgläsern, künstlichem Rauch und UV-Licht)
  • Rave (mit kleinen bunten Pillen, die sich glücklicherweise als Süßigkeiten herausstellten)
  • Zelda

und nicht zuletzt mein Favorit

Unter Anderem gab’s auf dieser Party eine spontane Neujahrszelebration im überfüllten Gang (mit Countdown und Sektdusche), was schon ziemlich cool war.

Der Samstag war ziemlich dominiert vom Football-Spiel Berkeley vs. Maryland (College-Football natürlich). Unglaublich, welche Menschenmassen sich da durch die Gegend wälzen. Nachmittags habe ich einen Freund besucht, der in einem anderen Co-Op (“Wolf House”) südlich des Campus mitten zwischen all den Fraternities (Studentenverbindungen) wohnt. Da war ordentlich was los und wir haben uns mit Wasserbomben aufs Dach gesetzt und einigen Leuten etwas Abkühlung verschafft (gut, dass ich mit 21.999 Jahren noch nicht zu alt für sowas bin).

Da das Stadion in der Nähe eines Hanges steht, kann man von besagtem Hang einen guten Blick in das Stadion bekommen (das übrigens 72000 Fans fasst), spätestens wenn man auf einen Baum klettert (was ich gemacht habe). Da ich die Regeln des Spiels nicht kenne (und mit einem anderen Deutschen unterwegs war dem’s genauso ging), war es etwas kompliziert, sich auszumalen, was da wohl grade passiert. So habe ich mir auch nur die erste halbe Stunde angeschaut und bin dann wieder von meinem Aussichtspunkt heruntergeklettert und nach Hause gegangen.

Geplant ist aber mit ein paar Freunden, dass wir für das große Spiel nach Stanford fahren. Das ist für viele Leute hier das interessanteste Spiel, weil Stanford der Erzrivale der UC Berkeley ist und auch ein gutes Team hat. Es ist schwer, Tickets zu bekommen, aber schauen wir mal :)
Wenn wir das machen, würde ich mir eventuell sogar mal die Regeln des Spiels anschauen.

Ich habe übrigens am Freitag das erste mal demonstriert bekommen, dass die Polizei hier sehr wohl auf Trinken in der Öffentlichkeit achtet und alkoholhaltige Getränke nicht nur aus Spaß (oder weil’s cool aussieht) immer in braunen Papiertüten getragen werden:

Zwei Leute aus meinem Co-Op waren beim Kiosk um die Ecke und haben aus ihren papiertütenumhüllten Flaschen getrunken. Ein Polizist in Zivil hat sie dann wegen Underage Drinking (Trinken als Jugendlicher) und Minor Posession (unerlauber Besitz von Alkohol) oder so drangekriegt, jetzt wartet eine Geldstrafe oder Sozialstunden (beides aber inkl. Gang zum Gericht) auf die beiden. Zwar halb so wild, aber schon ziemlich krass im Gegensatz zu Deutschland.

Auch krass im Gegensatz zu Deutschland, aber in der anderen Richtung: Es ist hier schön billig, sich Elektronikartikel und Kleidung zu kaufen. Das hab ich direkt mal genutzt und mir ne kleine Digitalkamera zum immer Dabeihaben (schreibt man das so?) geholt. Ich mag ja mein Riesenoschi von Kamera, aber zum mal irgendwohin mitnehmen ist das immer so eine Sache. Plus, die kleine kann HD-Video und es gibt relativ günstige Unterwassergehäuse, womit dann auch der Weg frei ist für allen Blödsinn! Sicher gut für’s Reisen in 10 Monaten und bis dahin auch für alle Parties und Alltagssituationen. Auch einige T-Shirts habe ich mir geleistet (es lebe threadless.com). Quasi mein Geburtstagsgeschenk an mich selbst ;-)

Jetzt gibt’s noch ein paar Bilder, unter anderem vom Spiel und von einem kleinen Park hier in Berkeley, den ich recht schick finde.
Bis demnächst!


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