Ankunft in Toronto
So, da bin ich. Und so war der Flug: Erträglich, und zum Glück glatt nach Plan.
Der ICE hat mich vorbildlich nach Frankfurt gebracht, wo ich direkt zum Check-in-Schalter gelaufen bin, und siehe da: Vorbildlich war auch meine Kofferbefüllung. Mein Gepäck lag 600 Gramm unter dem Ihre-Kreditkarte-Bitte-Limit von 46 kg Gesamtgewicht. Duplicity, den ich schon immer mal sehen wollte, hat den Flug nach Reykjavik deutlich verkürzt. An Reykjaviks Flughafen gibt es ästhetisch nichts auszusetzen; er könnte auch ein modernes Museum sein. Hier bin ich auch auf Nora gestoßen, die ich bis dahin nicht erkannt hatte, und auf einige andere deutsche Austauschstudentinnen.
In Toronto pünktlich angekommen, haben Warteschlange und arbeitsmüdes Personal in der Immigration-Section uns doch eine ganze Menge Zeit gekostet. Aber zu unserem großen Glück haben es alle Koffer unversehrt geschafft. Wir waren leicht erschöpft und hungrig — IcelandAir serviert tatsächlich nichts zu Essen auf Überseeflügen. Auf in Plastikfolie mumifizierte Käse-Schinken-Croissants ab 4 Euro verzichtet man gern. Da fällt mir ein: Seit den Salamibroten gestern mittag hab ich noch immer nichts gegessen. (Note to self: Essen!)
Fast ohne telefonische Orientierungshilfe (ich stand auf der falschen Straßenseite und hab die Hausnummer nicht gefunden. FAIL) hab ich meine Koffer zu meiner Unterkunft geschleppt (Foto meines Zimmerchens folgt heute abend). Letztere ist eine kleine, chaotische Studentenbude und gefällt mir sehr. Wir haben uns sofort nach draußen gesetzt; an der Rückseite des Gebäudes sind die Ebenen der Feuertreppe zu Quasi-Balkons (“decks”) erweitert worden. Dort kann man prima den Abend verbringen, Bier trinken — die Flaschen Kölsch, die die Reise unbeschadet überlebt haben, sind sehr gut angekommen — und sich mit den Nachbarn treffen. So hab ich gestern direkt fünf Kanadier kennengelernt, die allesamt das Prädikat awesome verdienen. Wahrscheinlich gehn wir heute abend auf ein Konzert der Band des Bruders meines Gastgebers. Oder so. (Übrigens, gelegentlicher Konsum von THC-haltigen Erzeugnissen ist bei unter-30-jährigen Angehörigen der Bildungsschicht völlig akzeptiert. Das deckt sich sowohl mit meinen Erfahrungen an der Ostküste wie auch mit der an Troisdorfer Gymnasien
Aber keine Sorge, ich werde mich bestimmt nicht wegen Drogenbesitz aus dem Land werfen lassen)
Nach einer relativ ruhigen Nacht (= Lärmniveau der Aachener Straße bei Dimension der Spicher Hauptstraße) um 9 Uhr mit Evan die 20 Minuten zum Campus gelaufen. Er arbeitet im Ontario Institute of Education (wenn ich mich nicht täusche, ist das die Pädagogische Fakultät und er ist dort Webmaster, obwohl er Luft- und Raumfahrttechnik studiert hat. Er bewirbt sich wohl gerade bei Flugzeugfirmen. Oder so). In der Bibliothek, die wohl das hässlichste Gebäude Torontos sein muss, hat man mir sehr freundlich meinen Studentenausweis (“TCard”) ausgestellt. Dort sitze ich auch gerade an einem der hunderten, sauber aufgereihten PC-Terminals. Ich konnte mich problemlos mit meiner Studentennummer einloggen. Wie schön.
Vorbildlich ist auch, wie man tatsächlich mit einer Karte der Deutschen Bank kostenlos in Scotiabank-Filialen an Bargeld kommen kann. Und sonst? Das Wetter ist deutsch, bewölkt und noch so gerade T-Shirt-tauglich. Die Stadt ist groß (= groß) und in etwa so sauber wie Köln. Der Anteil der asiatischen und generell nicht-westlichen Bevölkerung ist zwar beträchtlich, fällt aber nicht so stark auf wie befürchtet, solange man nicht in Chinatown selbst ist. Und jetzt werde ich mich mal auf Futtersuche begeben. The Golden Arches are awaiting me
28. August 2009 um 9:45 pm Uhr
Cool dass du wohlbehalten angekommen bist (von Nora weiß man ja noch nix
)
Das mit dem THC kann ich bestätigen. Ich kann auch bestätigen dass auf belebten Straßen Leute das Zeug am Straßenrand rauchen. Ziemlich weird für deutsche Verhältnisse…
28. August 2009 um 10:05 pm Uhr
Nora hab ich eben gegenüber vom International Student Centre getroffen. Sie ist in ihrer 6er-WG gut angekommen, bisher fehlen aber noch vier Leute. Und die andere ist Deutsche
Aber … es geht ihr gut.
30. August 2009 um 8:29 pm Uhr
Lieber Sebastian, Toll, wie Du diese Reise geschafft hast! Wir sind stolz auf Dich und danken Dir für den ausführlichen Bericht. Ob dieser Kommentar wohl bei Dir ankommt? Ich versuche es einfach. Liebe Grüße Ama und Opa
31. August 2009 um 12:04 pm Uhr
Hallo Sebastian,
auch von mir Applaus für Deine ausführlichen Berichte. Jetzt hat man doch schon eine kleine Idee von Deiner neuen Umgebung.
Schön, dass Du eine Unterkunft gefunden hast, wo Du Dich wohlfühlst (ich kann es mir lebhaft vorstellen, wenn Du die Bude selber schon als chaotisch bezeichnest)! Prima auch, dass so schnell sympatische Leute kennengelernt hast. Wie muß ich eigentlich “a w e s o m e” übersetzen: mit ehrfurchtgebietend oder mit schrecklich?
Weitehin viel Spass beim Entdecken – und halt die Ohren steif!
Alaaf !
TB
31. August 2009 um 4:15 pm Uhr
Hab leider nach wie vor nur in der Unibib Internet. Sollte Evan tatsächlich bis heute abend sein Internet repariert haben, kann ich auch ausführlicher (und mit Fotos) berichten.
Zu “awesome”, aus UrbanDictionary: “… the highest rank of a ‘cool’ saying to describe a person. Awesome is greater than cool, wikad, sick, super, kick-ass, and mega put together.”
31. August 2009 um 8:42 pm Uhr
…göttergleich?
1. September 2009 um 3:01 am Uhr
So ungefähr, ja
… aber du weißt ja, die Jugendsprache verschleißt solche Wörter schnell durch hyperinflationären Gebrauch. Awesome hat dank US-TV-Serien auch schon in Deutschland Einzug gehalten. Ein freundlich gemurmeltes “awesome.” kann heutzutage durchaus einfach ein bestätigender Kommentar in einer noch so banalen Situation sein