Berkeley!
Hola,
jetzt bin ich schon ein paar Tage in Berkeley und komme mal wieder dazu, etwas zu schreiben.
Wie erwartet ist es ziemlich schick hier. Der Campus ist am Hang gelegen und soll einer der schönsten der Welt sein – ziemlich viel grün, viele alte Bäume und einen kleinen Bach gibt es auch. Die Architektur ist meistens ansehnlich, nur einige Gebäude sind eher hässlich (unter anderem Evans Hall, das wo ich sein werde)
Besagte Hügel haben mir die Anreise allerdings etwas erschwert, da ich mit 4 Gepäckstücken unten an der Zugstation ankam und es doch recht anstrengend war, ansatzweise damit die Berge hochzukommen. Zum Glück hat mir dann jemand, den ich nach dem Weg gefragt habe, tatsächlich einen der Koffer hochgeschleppt, was ich sehr nett fand.
Ich wohne jetzt erstmal übergangsweise in Stebbins Hall und ziehe nächste Woche in Cloyne Court um. Beides sind Co-ops, das heißt studentenverwaltete Wohnhäuser und ziemlich individuelle Dinger, in etwa wie große Wohngemeinschaften (nicht zu vergleichen mit den relativ durchorganisierten Studentenwerk-Wohnplätzen in Deutschland).
Das Haus zu gestalten steht den Bewohnern frei und so finden sich viele verschiedene Zeichnungen und Bilder an der Wand, die von den Bewohnern immer mal wieder geändert, ersetzt, erweitert werden. Für jemanden, der richtig eintauchen will und keine Berührungs- oder Hygieneängste hat, ziemlich gut.
Meistens herrscht sprichwörtlich das pure Chaos in diesen Wohnhäusern (z.B. die zwei falschen Feueralarme, bei denen jeweils die Feuerwehr angerückt ist), aber ich komme bisher ganz gut damit zurecht. Manch einer wäre sicherlich zu Tode geschockt angesichts der Zustände (hier im Spielraum steht ein Tablett Geschirr, das auf jeden Fall schon ne Woche da ist). Man kommt aber ziemlich schnell in Kontakt mit den Leuten und macht dann viel zusammen.
Stebbins (wo ich jetzt bin) ist relativ klein, Cloyne Court ist das Flaggschiff der BSC (Berkeley Student Cooperative), beherbergt ca. 150 Leute und wird gerade noch renoviert. Das Ganze ist mit Workshiftsystem, das heißt jeder muss ca. 5 Stunden pro Woche irgendwelche Tätigkeiten wie Abwaschen, Kochen, Putzen übernehmen. Dafür gibt’s Food Service, sprich der Kühlschrank (bzw. Kühlraum, bzw. die Kühlräume!) wird automatisch mit preiswerten Riesenpackungen gefüllt, die schon mit der Miete bezahlt werden. Gekocht wird dann als Workshift oder halt einfach so gemeinsam in der großzügig angelegten Industrieküche. Hat also durchaus seinen Reiz, wenn man mal diese Miniküchen in Wohnheimappartments erlebt hat.
Vom Unileben im tatsächlichen Studium habe ich noch nicht viel mitgekriegt, da es noch nicht losgegangen ist. In meinem Gebäude war ich nur mal zum Hallo-sagen und der Formalitäten wegen, aber die Leute dort scheinen sehr entspannt und freundlich zu sein. Kein Anzeichen irgendeines Elite-Wahns, obwohl das Department ziemlich gut ist (ob sich das mit den Budget Cuts bald ändert, sei dahingestellt). Morgen und übermorgen habe ich die Preliminary Examinations und alle möglichen Einführungsveranstaltungen (dann krieg ich auch mein Büro, yeah). Bankkonto, Fahrrad, Handy, Student ID hab ich auch schon.
Berkeley selbst ist relativ beschaulich, wenn man es mit Großstädten vergleicht. Im Prinzip um den Campus angesiedelt gibt es zig Restaurants von asiatisch bis zimbabweanisch. Die Stadt ist mit der Uni natürlich von den Studenten dominiert (siehe Aachen) und abends herrscht geselliges Treiben auf den Straßen. Nichts ist so besonders sauber oder auf Hochglanz, aber grade deshalb sieht alles irgendwie freundlich und sympathisch aus – natürlich schaden die vielen Palmen und alten Bäume in Campusnähe dem Eindruck nicht.
Die Gegend hier ist extrem liberal und die Themen gesundes Essen, Umweltschutz und natürlich die Schwulenbewegungen (im Moment wieder aktuell mit der Proposition 8) begegnen einem andauernd. “Gesundes Essen” kann aber auch ein Burger im Vollkornbrötchen sein, der eben nicht aus Tiefkühlzutaten ist sondern frisch und lecker aussieht (und auch sehr lecker war). Preislich ist das hier auch alles im grünen Bereich, speziell mit dem starken Euro! Mal hoffen, dass das so bleibt.
Gestern habe ich mir mit einem Mitbewohner San Francisco per frischerworbenem Fahrrad angeschaut. Die Stadt ist einfach ziemlich schick (bis auf die hässliche Wolkenkratzer-Pyramide), besonders in der Gegend um die Golden Gate Bridge kann man sich kaum sattsehen.
Wir sind spontan mal über diese Brücke rüber (ziemlich kalter Wind von der See!) und nach Sausalito auf der anderen Seite, schon ziemlich beeindruckene Aussicht. Auf dem Rückweg sind wir einfach quer durch die Stadt und haben uns an den Hügeln verausgabt. Immerhin haben wir’s bis zum “steilsten Abstieg” an der Lombard Street geschafft (siehe Bilder).
Der Eindruck auf den Bildern ist wahrscheinlich nicht so extrem, aber die Straßen sind wirklich so steil, dass wir teilweise absteigen mussten.
Der italienische Teil (North Beach) hat unzählige Restaurants und streckenweise zwielichtige Etablissements, sieht aber einfach wie ein idealer Ort aus, um in den Feierabend zu starten. Auch wenn wir mehr oder weniger nur ziellos rumgefahren sind und die Touristenmagnete gemieden haben, hat uns das doch sehr gut gefallen (oder gerade deshalb). Natürlich hat San Francisco auch diese Standardziele wo dann Fressbuden stehen und zig Touris rumrennen und man sich fragt was die da eigentlich machen außer die Fressbuden finanzieren.
Heute genieße ich mal noch ein bisschen die Ruhe vor dem Sturm, lese mich in den Autokauf ein (in Berkeley/SanFran total überflüssig, aber zum Reisen in Kalifornien ziemlich notwendig) und schaue mal, was noch so passiert. Fotos gibt’s im Beitrag eins drüber!
Bis die Tage,
Tobias
17. August 2009 um 3:35 pm Uhr
du lebst also noch
!
klingt doch alles soweit top!
netter vergleich zu aachen, wie siehts denn da mit Semester ferien aus
Ein immer voller Kühlschrank klingt ebenfalls geil!
Und du willst dir ein Auto kaufen? Ich fall vom glauben ab
zuhause ist übrigens top, war gestern bei Pollerwiesen, wäre glaube ich auch was für dich gewesen!
17. August 2009 um 10:33 pm Uhr
Schön, schön!
Wie sagen die Leute eigentlich zu ihrer Heimatstadt? SanFran? S.F.? Ist “Frisco” wirklich so verpönt wie es immer heißt?
18. August 2009 um 3:44 am Uhr
Hey ihr beiden Sebastians,
@#1: hab erst ende Mai wieder Semesterferien. Aber mit nem Auto käme ich zwischendurch an den Wochenenden zumindest in Cali hoffe ich bisschen rum… Was is Pollerwiesen? Kirmes?
@#2: Weiß garnicht, San Fran hab ich schon gehört, Frisco nicht. Und wenn man Wikipedia glaubt, ist das heutzutage eher ein Ort in Texas. Man muss aber dazu sagen, dass ich ja nicht direkt in San Francisco lebe und das garnicht so gut beurteilen kann. Bisschen wie New Jersey und New York
26. August 2009 um 7:14 pm Uhr
Insidertip:
Hoffe es gibt ihn noch, wenn ja dann:
Neben dem Forever 21, direkt da wo die Cab-Station ist ist ein Hot-Dog-Stand! Sind mit Abstand die besten Hot-Dogs die ich je gegessen habe!
Geh auch unbedingt in den Apple-Shop